Schlagwort: Interpretation
-
Philosoph als Protagonist
Rudolph Jakobs Humms (1895 – 1977) Hörspiel „Rousseau war ausser Hause“ (1975) ist ein Alterswerk. Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-78) ist das Thema und die Hauptfigur, aber er ist während des ganzen Spiels nur virtuell im Dialog zwischen seiner Lebensgefährtin Thérèse Levasseur und dem jungen schottischen Kulturreisenden James Boswell präsent. Der Dialog kann als spannende…
-
Höhere Komik …
Es gibt nur wenige Hörspiele von sublimer Komik, die literarischen Vorbildern, etwa von Lessing, Kleist und Zuckmayer, entsprechen und sich deutlich von schwankhaften Lachkomödien unterscheiden. Als Beispiel wird «D’Helena vo Lampers» (1983) von Beat Ramseyer analysiert.
-
Kriminelles und Moralisches im Hörspiel
Als Vorbild und Massstab für Schweizer Kriminalhörspiele können die Studer-Romane von Friedrich Glauser (1896-1938) gelten. Legendär sind die unterhaltenden Wäckerli-Serien, die ab 1949 entstanden. Walter Matthias Diggelmanns literarisches Kriminalhörspiel „Sie kennen unsere Methoden nicht“ (1971) wird ausführlich ananlysiert. Ebens Urs Widmers experimentelles Meta-Kriminalhörspiel „Wer nicht sehen will, muss hören“ (1970), das vom Neuen Hörspiel in…
-
Das «eigentliche» Hörspiel – und sein Gegenteil
Das literarische Worthörspiel wurde in der Nachkriegszeit, basierend auf Publikationen von Richard Kolb, Heinz Schwitzke und anderen, zum „eigentlichen Hörspiel“ erklärt. Das Hörspielwerk von Walter Oberer wird als Paradigma dieses Typus im Überblick vorgestellt. Helmut Heissenbüttel kritisierte in seiner Rede „Horoskop des Hörspiels“ 1968 die „restaurative“ Tendenz dieser Hörspieltheorie, die auf einer romantisch-poetischen Literaturauffassung basiert.…
-
Vom epischen Hörspiel zum Hörbuch
Das erste «epische Hörspiel» wurde 1511 in frühneuhochdeutscher Sprache geschrieben und am 3.1.1925 vor dem Mikrophon des ersten Zürcher Radiostudios aufgeführt: das «Urner Spiel vom Wilhelm Tell». Als Beispiel für das objektiv epische Hörspiel wird „Die Geschichte des Matthias“ (1966) von Werner Schmidli (1939-2005) vorgestellt. Die Reinform eines epischen Hörspiels könnte man sich als eine…
-
Montage – Demontage
Die Aneinanderfügung von disparaten Textteilen aus verschiedenen Quellen sowie die Orientierung auf eine zentrale Idee hin sind Hauptmerkmale des Montage-Hörspiels. Peter Bichsels (*1935) Hörspiel „Inhaltsangabe der Langeweile“ (1972) wird hier als seltene, reine Ausprägung dieser Gattung ausführlich besprochen. Als hybride Beispiele, die eine Synthese mit konventioneller Dramaturgie eingehen, werden „Das Luftmeeting zu Brescia“ (1986) von…
-
Protokolle der subjektiven Realität
Thema dieses Artikel ist das „Hörspiel der subjektiven Epik“. Als Beispiele werden die Hörspiele „Der Radfahrer“ (1985) von Franz Böni und „Ihre Stelle ist gesichert“ (2024) von Jens Nielsen beschrieben. Bönis Hörspiel beschreibt im ersten Teil eine Tour des Telegrammboten Anton Eiler, im zweiten eine Schicht derselben Person als Nachtwächter in einem Zürcher Industriegebiet. Eiler…
-
Inszenierung als Interpretation
1987 wurde Hans Peter Treichlers Kurzhörspiel-Serie „De Bärni Lips gaht uf Tutti“ im Studio Zürich aufgezeichnet. Regisseur war Joseph Scheidegger, der alleinige Darsteller Mathias Gnädinger. Der Artikel basiert auf meinen Beobachtungen während der Proben und Aufnahmen sowie der Diskussion der Zürcher Regisseure beim „Abhören“ der ganzen Serie. Die durchschnittlich vierminütigen Kurzhörspiele wurden als boshafte Karikaturen…
-
Geschichten und Geschichte
Der Themenbereich des historischen und biografischen Hörspiels umfasst seit den ersten Anfängen der schweizerischen Hörspielgeschichte sehr viele und sehr verschiedenartige Produktionen. Richard Schweizer schuf 1927/28 zwei kulturhistorische Werke „Aus Zürichs Vergangenheit“, die als erste originale Hörspiele des Zürcher Senders gelten können. Eine Konstante bestand in den dreissiger und vierziger Jahren darin, historische Erfolgsgeschichten und „Heldentaten“…
-
Dialog on the road
Das dramatische Hörspiel ging direkt aus dem Bühnen-Einakter hervor. Die geschlossene, auf den drei dramatischen Einheiten basierende Form ist eher selten. Die meisten Repräsentanten entsprechen der offenen Variante, die mangels straffer Handlungsführung gelegentlich sogar zum Typus des epischen Hörspiels tendiert. „Di grüen Linie“ (1986) von Emil Zopfi wird als Beispiel für ein dramatisches Hörspiel der…
-
«Bilderbuechstettli am See»
1971 bearbeitete Gerold Späth ein ungedrucktes Kapitel seines Roman-Erstlings „Unschlecht“ als Hörspiel, das er 1978 in Mundart übertrug. „Heisse Sunntig“ ist ein idyllisches Panorama von Zeitgenossen von Rapperswil, dem „Bilderbuechstettli“ am Zürichsee. 1986 entstand das Hörspiel „Mein Besuch im Städtchen am See“, eine böse Satire zum selben Thema. Beiden Hörspielen liegt als Urform des Panoramaspiels…
-
«Nordheld» auf Polarfahrt
Paul Langs Pionier-Hörspiel „Nordheld Andrée“ wurde 1931 mit dem ersten Preis im ersten Schweizer Hörspiel-Wettbewerb ausgezeichnet. Es handelt von der gescheiterten Nodpol-Expedition des Schweden Salomon August Andrée von 1897 mit einem Gasballon. Lang gestaltet die Expedition als Heldentat im Sinne frontistisch-völkischen Gesinnung. Er was seit 1930 Mitglied der „Neuen Front“, einer mit dem italienischen Faschismus…
-
Phantastische Realität
Jürg Amanns Kurzhörspiel „Der Sprung ins Wasser“ (1982) mit dem Untertitel „Partitur für eine Stimme und die Geräusche einer Stadt“ wurde von Walter Baumgartner und Franziskus Abgottspon für Radio DRS auf gegensätzliche Weise inszeniert. Es ist ein Repräsentant des Typus „Hörspiel der poetischen bzw. phantastischen Realität“. Inhaltlich ist das Kurzhörspiel – wie auch Amanns Dissertation…
-
Sprache als Musik
„Bez beinebau“ ist ein Hörspiel von Beat Sterchi und Hermann Bohlen. Musik: Luca Aaron und Jul Dillier. Es konfrontiert Schweizerhochdeutsch und Berndeutsch mit asemantischer Kunstsprache und mit musikalischen Teilen verschiedener Art. Es ist ein heiteres Hörspiel zum Thema „Bedeutung von Sprache“.
-
«Oberstrass, c’est la Suisse!»
Arthur Weltis Hörspiel „Napoleon von Oberstrass“ (1938) ist eine historische Parabel, die sich auf damals ungewöhnlich differenzierte Art mit dem Thema „Geistige Landesverteidigung“ auseinandersetzt. Die eher fragwürdigen politischen Vorgänge in der kleinen Gemeinde Oberstrass um 1838 stehen symbolisch für die schweizerische Demokratie, deren Funktionieren auf allen Stufen demonstriert wird.
-
«Der Sender ist verrückt geworden!»
64’40“ von Claude Salmony (2016) ist ein Hörspiel über das Hörspiel als Produkt des Mediums Radio. Sein Inhalt besteht im Scheitern der Produktion eines Hörspiels im Hörspiel.
